Die Tugenden: Hilsbereitschaft bzw. Hilfeleistung

Ein tugendhaftes Leben zu führen heißt ein relativ geistiges oder spirituelles Leben zu führen.
Flammen

Das Feuer: Seit je her Sinnbild des Göttlichen und das Göttliche wurde u.a. immer auch als die Vereinigung aller Tugenden und das in höchster Vollkommenheit gedacht. (Bild: Steven Otto)

Die Hilfsbereitschaft bzw. Hilfeleistung ist eine der edelsten Tugenden, und eines der prägensten Aspekte unseres höheren Prinzips in uns. Zudem ist sie untrennbar mit den Lehren von Reinkarnation und Karma verbunden.

Mitunter wird jedoch leider ein Verständnis von Karma gelehrt, dass alles Schicksal sei und zwar in einem fatalistischen Sinne, bspw. in dem man sogar sein eigenes negatives Handeln gegenüber anderen als eigenes und den Opfern gegenüber als festgeschriebene Schicksal versteht oder aber lehrt, dass es unnötig wäre Anderen, die in Not sind, zu helfen, weil ihre Not ja ihr festgeschriebenes und damit gerechtes karmisches Schicksal sei. Aber dort wo Karma richtig gelehrt wird, wie bspw. von Madame Blavatsky, dort wird neben der Selbstverantwortung vor allem auch Nächstenliebe und Hilfestellung gelehrt, was die zwei eben genannten falschen Ansichten bezüglich Karma überhaupt nicht ermöglichen würden.

Helena Petrovna Blavatsky schrieb:

Wer nicht praktischen Altruismus pflegt, wer nicht bereit ist, seinen letzten Bissen mit einem anderen zu teilen, der schwächer oder ärmer ist als er, wer es verabsäumt, seinem Mitmenschen zu helfen, wo immer er ihn leiden sieht, und welchem Volk, welchem Glauben immer er angehören mag, wer sich dem Schrei des menschlichen Elends taub zeigt, wer hört, wie ein Unschuldiger verleumdet wird, und ihn nicht verteidigt, als wäre es er selbst, der ist kein Theosoph.

Und für einen Menschen, der im übertragenen Sinn ein Herz besitzt (in theosophischer Hinsicht der symbolische Sitz der Seele, d.h. des höheren Prinzips in uns)  bzw. es am rechten Fleck trägt, für den wäre es wohl auch absolut undenkbar, einen in Not geratenen Menschen nicht zu helfen, sofern er denn vernunftgemäß zu helfen vermag.

Und ich erwähnte es bereits an anderer Stelle. Der aktive oder praktische Ausdruck von Selbstlosigkeit, Mitleid und Barmherzigkeit bzw. Nächstenliebe ist nichts anderes als der Wunsch bzw. innere Drang zu helfen, wo Hilfe benötigt wird. Es ist nicht nur eine der, wenn nicht sogar die geistigste Handlungen, die wir hier auf Erden tun können, sondern sie erfüllt uns nach erledigter Tat auch mit größter innerer oder geistiger Freude des Herzens, zweifelsfrei eine unbändige Gewissens- bzw. Seelenfreude darüber, das getan zu haben, was ein Mensch auf Erden tun soll!

Je mehr der Mensch durch wahre Selbstzucht die Herrschaft über sich erlangt, desto bereiter neigt er sich in barmherziger Liebe dem hilfsbedürftigen Nächsten zu.  (Hildegard von Bingen, deutsche Mystikerin)

Die theosophischen Grundregeln bezüglich der Hilfestellung sind relativ schnell zusammengefasst:

  • Helfe, wenn Du vermagst Hilfe vernunftgemäß zu leisten, denn es ist nich vernünftig, sich in der Hilfe für andere selbst zu vernachlässigen oder anders gesagt: Teile bspw. deinen letzten Bissen, aber gib ihn nicht gänzlich weg.
  • Helfe vor allem durch Deine eigenen Hände und niemals durch Dritte, nur so kannst du dir sicher sein, das deine Hilfe nicht missbraucht wird.
  • Helfe nicht aufgrund des Lohnes, deiner Selbst oder der Anerkennung bzw. des Dankes wegen, sondern einzig und allein deshalb, weil es gut oder menschlich ist, es so zu tun, d. h.: helfe selbstlos.

Und durch die theosophischen Lehren wird auch deutlicher, dass die Hilfeleistung, genauer die aufopferungsvolle Hilfeleistung ein wesentlicher Aspekt der geistigen Entwicklung dieses Kosmos ist. Unser höheres Prinzip in uns opfert sich bspw., um uns die geistige Entwicklung auf Erden überhaupt erst zu ermöglichen und wir sollten in einem philosophischen Sinne unser Leben opfern, indem wir den beschwerlicheren Weg der Tugendhaftigkeit auf Erden gehen, um so durch unserer geistige Entwicklung auch der Natur, dessen Teil wir sind, bei ihrer geistigen Entwicklung zu helfen. Denn zum einen ist eine geistige Entwiclung ist für den Menschen nur möglich, auf Basis eines tugendhaften Lebens und zum anderen ist der übergeordnete Sinn und Zweck der Natur bzw. dieses Kosmos nichts anderes, als eine geistige Entwicklung.

Und wie fühlen sich bspw. Mutter und Vater, die erfolgreich ihre Kinder auch unter persönlichen Opfern einen idealen Start ins Leben ermöglichen? Richtig, sie sind normaleweise die glücklichsten Menschen auf Erden!

Die hohen geistigen Ideale geben die Richtung vor. Nicht nur für unserer Kinder, sondern auch für unsere Eltern, Verwandten, Freunde usw. Und es muss ja nicht immer nur die Hilfe in der Not sein. Ist denn einen Menschen glücklich zu machen, ihn ehrliche und tiefe Freude, Liebe bzw. Dankbarkeit spüren zu lassen, d.h. in ihm diese edlen Regungen hervorzurufen, in einer nicht selten so rauhen und trostlosen Welt nicht auch eine große Hilfestellung? Ich denke schon.

Man muss sich gegenseitig helfen, das ist ein Naturgesetz! (Jean de La Fontaine, frz. Schriftsteller)

Auch in diesem Sinne sollten wir alle mehr im Einklang mit der Natur leben.

Verschlagwortung: 

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