Die Tugenden: Ordnung und Sauberkeit

Ein tugendhaftes Leben zu führen heißt ein relativ geistiges Leben zu führen.

Das Feuer: Seit je her Sinnbild des Göttlichen und das Göttliche wurde u.a. immer auch als die Vereinigung aller Tugenden und das in höchster Vollkommenheit gedacht. (Bild: Steven Otto)

Ordnung ist das halbe Leben, heißt es ja so schön, nicht zu Unrecht natürlich und die andere Hälfte nimmt dann am besten gleich die Sauberkeit ein, aber mal im Ernst. Erst vor kurzem habe ich einen gründlichen digitalen und analogen Frühjahrsputz durchgeführt und es war, man kann es nicht anders sagen, wie so oft:

Am Anfang steht die Idee oder (natürlich höhere) Eingebung, dass mal wieder ein Frühjahrsputz, also ein, neben dem regelmäßigen Säubern und Ordnen, auch mal wieder etwas tiefgründigerer Putz angebracht wäre. Die prompte innere Reaktion darauf war: „Muss das denn wirklich sein? Sooo schlimm ist es doch nun wirklich noch nicht.“ Ganz so wie neulich, als während einer ruhigen Minute in mir der Gedanke aufstieg, dass doch da noch ein Knopf anzunähen wäre, was freilich stimmte, aber muss das denn heute sein? Oder gar jetzt? Ja. Jetzt! Nicht morgen, sondern heute!

Gut, so wird es natürlich gelehrt. Man kennt das ja, „was du heute kannst besorgen…“ oder um mit der Theosophie zu sprechen, „lasse keine einzige gute Eingebung nur ein bloßen Vorsatz sein, sondern handle entsprechend“.

Also gut. Für einen Theosophen steht die Vernunft über Allem, dicht gefolgt von der Tugendhaftigkeit und deshalb war ein Kompromiss unausweichlich. Anstatt keinen, gab es dann zwar einen gehörigen Frühjahrsputz, aber erst, als wieder turnusmäßig Putzen anstand. Und den digitalen Frühjahrsputz habe ich dem analogen gleich folgen lassen, d. h. mal wieder auf dem Rechner aufgeräumt, aktualisiert, „gebackupt" etc., was ja alles Sinn macht, vernünftig und tugendhaft, sehr theosophisch. ABER: Wie immer musste ich mich gegen mein eigenes Dafürhalten entscheiden, genauer den inneren stets so unvernünftigen „Schweinehund“ überwinden – kein einfaches Unterfangen, aber ich fühle mich den hohen Idealen der Theosophie sehr verpflichtet, deren Lehren uns ja nur zum Zwecke einer moralischen Revolution des Westens überhaupt nur offenbart wurden.

Wer die Welt in Ordnung bringen will, gehe zuerst durchs eigene Haus. (Chinesisches Sprichwort)

Und Ordnung schaffen hat philosophisch betrachtet tatsächlich etwas ungemein Göttliches an sich. Das kam mir vor kurzem bei meiner Lektüre der antiken Philosophen in den Sinn. Ob es nun bei Platon oder Plutarch war, kann ich nicht mehr genau sagen, aber dies wird so ähnlich auch in der Theosophie und anderen Glaubensrichtungen gelehrt und zwar wie folgt:

Am Anfang war das Chaos, als Metapher für den Raum, der wiederum auch als Symbol der ursprünglichen noch undifferenzierten Materie betrachtet werden kann, also die „Wasser des Raumes, das Chaos, die jungfräuliche Mutter“ etc. Und aus diesem Chaos erhob das geistige oder göttliche Prinzip die Welt. Es erhob die Welt aus dem Chaos, indem es im Chaos Ordnung schuf. Und da fiel es mir doch Dank der antiken Altvorderen wie Schuppen von den Augen: Indem wir also Ordnung im „Chaos“ bspw. unserer Wohnungen schaffen, gleichen wir doch vorzüglich dem göttlichen oder geistigen Prinzip im mikrokosmisch Kleinen. Wundervoll. Und da schließt sich dann auch der Kreis zu den Tugenden, denn wie schon oft gesagt, wurde das höchste göttliche oder geistige Prinzip immer als die Repräsentation aller Tugenden in höchster Vollkommenheit an und für sich gedacht.

Und während ich also so den Staub auch mal wieder an, hinsichtlich der letzten Reinigung, scheinbar jungfräulichen Stellen meiner Wohnung entfernte, fiel mir ein lustiger Satz meiner Mutter ein, den sie mir vor noch nicht allzu langer Zeit in einem ihrer Briefe schrieb, dass man sich wohl ärgern könnte, wenn man sieht, wie schon nach wenigen Tagen der Reinigung der Staub wieder sichtbar Platz nimmt, aber bedenke, dass auch die Erde aus (kosmischen) Staub entstanden sein soll, ergo: ohne Staub keine Erde! Auch er hat also seine Funktion, eine nicht Unwichtige. Von der Hand zu weisen ist das nicht.

Und das Gefühl oder die Gewissensfreude nach dem Reinigen ist auch eine göttliche oder wahrhaft geistige Freude, die der getätigten tugendhaften Arbeit stets innewohnt, wohl nicht nur der innere Lohn der Arbeit, sondern sicher auch der Lohn hinsichtlich der für die Tugenden so enorm wichtigen und erfolgten Selbstüberwindung.

Und auch wenn ich mich hier nur auf die Ordnung im Sinne des Häuslichen beziehe, sollte man natürlich nicht vergessen, dass Ordnung auch ein viel weiterer Begriff ist, im Sinne von Recht und Ordnung, indem man bpsw. sich auch Begebenheiten in seinem Leben entsprechend widmet, die einer ordnenden Hand bedürfen.

Ordnung ist die Seele aller Dinge. (Ungarisches Sprichwort)

In diesem Sinne, lasst uns weiter zielgerichtet auf dem Pfad unserer geistig-seelischen Entwicklung voranschreiten und ja, man hält es kaum für möglich, gerade auch durch Ordnung und Sauberkeit.

 

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