Die Tugenden: Vertrauen und Hoffnung

Ein tugendhaftes Leben zu führen heißt ein relativ geistiges Leben zu führen.
Flammen

Das Feuer: Seit je her Sinnbild des Göttlichen und das Göttliche wurde u.a. immer auch als die Vereinigung aller Tugenden und das in höchster Vollkommenheit gedacht. (Bild: Steven Otto)

Hoffnung ist eine zuversichtliche innerliche Ausrichtung, gepaart mit einer positiven Erwartungshaltung, dass etwas Wünschenswertes in der Zukunft eintritt, ohne dass wirkliche Gewissheit darüber besteht.

Vertrauen ist in psychologisch-persönlichkeitstheoretischer Perspektive definiert als subjektive Überzeugung von der (oder auch als Gefühl für oder Glaube an die) Richtigkeit, Wahrheit bzw. Redlichkeit von Personen, von Handlungen, Einsichten und Aussagen eines anderen oder von sich selbst (Selbstvertrauen). (Quelle: Wikipedia)

Hoffnung und Vertrauen sind mindestens in zwei Aspekten wesentlich im Leben.

Der eine Aspekt betrifft allgemein das Leben. Es ist geradezu unabdinglich Hoffnung und Vertrauen zu haben, um überhaupt ein vernünftiges Leben führen zu können, sozusagen eine unabdingbare Basis, auch wenn wir uns dessen nicht ständig bewusst sind. Wir legen uns bspw. abends schlafen mit dem Vertrauen über Nacht sicher zu sein und in der Hoffnung, am nächsten Tag wieder zu erwachen. Am besten wird die Wichtigkeit deutlich, wenn man sich das Gegenteil von Vertrauen und Hoffnung klar macht, was in etwa auch mit Unsicherheit und Verzweiflung beschrieben werden könnte.

Nun leben wir in Frieden und Sicherheit, in relativ planbaren Zuständen, soziale Grundsicherheiten sind gegeben und alle unsere existenziellen Bedürfnisse sind befriedigt. All das sind sicherlich beste Bedingungen, um ein grundlegendes Mindestmaß an Hoffnung und Vertrauen (hinsichtlich der grundlegenden Dinge) entwickeln bzw. auch erhalten zu können.

Den zweiten Aspekt halte ich persönlich aber noch für viel wesentlicher, denn er ist das Material aus dem die eben genannte Basis aufgebaut ist, sozusagen die Basis der Basis und dieser Aspekt bezieht sich auf den Glauben.

In unseren Zeiten wird es den endgültigen harten wissenschaftlichen Beweis für eine metaphysische oder geistige Welt nicht geben, auch wenn ein geistiges Prinzip als Urgrund aller Dinge logisch unabdingbar ist bzw. es natürlich sehr viele sehr deutliche Hinweise darauf gibt, wie bspw. Nahtoderfahrungen.

Letztlich sind wir in dieser Hinsicht nicht unwesentlich auf Glaube angewiesen und dieser Glaube kann nur durch Hoffnung insbesondere aber Vertrauen überhaupt entstehen und wachsen oder anders gesagt: ohne Vertrauen und Hoffnung kein Glaube. Andererseits stärkt der Glaube wiederum das Vertrauen und die Hoffnung, d. h. dieser Vorgang ist bis zu einem gewissen Maß auch selbstverstärkend oder selbstschwächend, je nach dem.

Die Hoffnung stärkt bspw. Mut, Kraft und Tapferkeit und sie baut nicht unwesentlich auf Vertrauen auf, ob nun allgemein das Vertrauen in das Leben oder in andere Menschen bzw. sich selbst oder eben in den Glauben und in diesem Sinn auch in einen übergeordneten Sinn des Lebens.

Vertrauensselig – ein schönes Wort. Vertrauen macht selig den, der es hat, und den, der es einflößt (Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach)

Vernunftgemäß muss man natürlich hinzufügen, dass blindes, zuviel oder leichtfertgies Vertrauen an der falschen Stelle auch leicht im Desaster enden können. Und auch die Hoffnung ist, wie so vieles im Leben, ein zweischneidiges Schwert, denn wer hofft kann auch leicht entäuscht werden, zumindest gilt dies nicht selten im Bezug zu Menschen bzw. irdischen Begebenheiten. Nur wer gänzlich frei von Erwartungen ist kann mit Sicherheit nicht entäuscht werden.

Und dennoch, was wäre ein Leben ohne Hoffnung und ein wesentlicher Schlüssel zur Glückseeligkeit ist ganz sicher das Vetrauen, nicht nur weil es auch für die Liebe unabdingbar ist, sondern auch für den Glauben an das geistige Leben, dass Einzige, was uns letztlich aus diesem Meer des unverünftigen Materialismus erretten kann und auch wird, so mein (begründetes) Vertrauen und daraus erwachsend auch meine Hoffnung, alles in Allen ein unzerstörbares Fundament innerer Sicherheit, der so wichtige, unerschütterliche Fels in der mitunter stürmischen Brandung des Lebens.

Das Vertrauen erhebt die Seele. (Jean-Jacques Rousseau)

In diesem Sinne sollten wir uns also durch unserer Vertrauen erheben und zwar vornehmlich in Richtung unseres höheren geistigen Prinzips in uns. Und das funktioniert am besten, wie schon oft gesagt, indem wir uns in den Tugenden üben.

Verschlagwortung: 

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