Theismus vs. Agnostizismus und Atheismus

In Sachen Glauben kann ganz grob in drei Parteien unterscheiden werden, Theisten, Agnostiker und Atheisten, die nun im Folgenden etwas näher beleuchtet werden.
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Für den Einen eine herzerfreuende Szene und Sinnbild einer höheren Ordnung, für den Anderen eine Konsequenz von Zeit und Zufall im Rahmen von Biologie, Physik und Chemie und ein Dritter mag vielleicht überhaupt nichts damit anfangen können. (Bild: Seven Otto)

Unter Atheismus versteht man im weiteren Sinne die Überzeugung, dass es keinen Gott und keinerlei Götter oder irgendein höheres geistiges Prinzip oder eine geistige Welt gibt.

Und das große Problem der Atheisten ist nicht die Tatsache, dass sie in einer fast verschwindend geringen Minderheit sind und nur, je nach Umfrage, zwischen 2 bis maximal 20%, d. h. im Schnitt in etwa rund 10% der Menschheit stellen (Quelle), sondern vielmehr, dass sie eine Nichtexistenz von etwas postulieren. Denn Nichtexistenz, so weiß heute schon fast jedes Kind, lässt sich absolut nicht und wird sich auch niemals beweisen lassen können. Diese einfache Tatsache macht den Atheisten nicht nur zu einem Gläubigen, sondern auch direkt zu einem blindlinks Gläubigen.

Nun wird der ein oder andere vielleicht meinen, dass verdrehe doch irgendwie die Tatsachen, denn es ist doch wohl vernünftig, nur an dass zu glauben, was von der Wissenschaft auch zweifslfrei bewiesen wurde?! Zum einen ist es im Falle des wissenschaftlichen Beweises streng betrachtet natürlich kein Glauben mehr, sondern dann weiß man es und zum anderen wirft diese Sichtweise einige unschöne Probleme auf.

Denn wäre dem so, hätte es wohl nie einen wissenschaftlichen Fortschritt gegeben, der ja sehr oft nur daraus erwächst, dass es noch Begebenheiten in der Natur gibt, die eben nicht bekannt und demnach noch nicht bewiesen sind oder besser gesagt, eben genau an solche unbekannten Begebenheiten geglaubt wird. Und wer behauptet denn ernstlich nur an das zu glauben, was die Wissenschaft zweifelsfrei objektiv bewiesen hat? Hat uns denn die Wissenschaft bereits Wahrheit bewiesen? Sicher nicht und natürlich ist dies ein abstrakter Begriff, also ein Fall für die Philosophie, aber genau das ist es ja, denn ein absonderlich kroteskes Leben würde sich für jenen ergeben, der mental allein nur auf zweifelsfrei Bewiesenes der Wissenschaft baut.

Der Agnostizismus ist dem allgemeinen Verständnis nach die Ansicht, man könne nicht wissen, ob es Götter oder irgendein höheres geistiges Prinzip gibt. Der Anteil der Agnostiker ist statistisch bereits in den o.g. ca. 10% Anteil der Atheisten an der Weltbevölkerung mit eingerechnet und wird dort wohl eher einen geringen Bruchteil ausmachen. Während der Atheist an die Nichtexistenz Gottes glaubt, so geht der Agnostiker diesbezüglich von der prinzipiellen Unmöglichkeit der abschließenden Gewissheit aus.

Das Problem dieser Sichtweise ist die überaus unvernünftige Anmaßung zu behaupten, man wird niemals Gewissheit über diese Frage nach der Existenz einer höheren geistigen Welt erlangen können. Von wieviel unzähligen Dingen in der Natur wissen wir heute, die sich vor ein paar tausend  ja selbst hundert Jahren die Menschen sich hätten noch nicht einmal zusammenfantasieren können? Der wissenchaftliche Fortschritt ist enorm und schreitet ständig voran. Wer will denn vernunftgemäß behaupten, dass es immer unmöglich sein wird die Existenz von etwas zu beweisen, was heute nicht bewiesen werden kann? Der Agnostiker tut dies, aber leidet diesbezüglich unter einer inhärenten jedoch sehr ausgeprägten Hybris.

Wenn er nun behauptet, dass er das nur auf den aktuellen Stand der Wissenschaft bezieht, dann sagt er lediglich das, was alle wissen, dass nämlich ein geistiges Prinzip nicht absolut zweiflesfrei d. h. ohne Gegenstimme wissenschaftlich bewiesen wurde. Er beantwortet also die Frage nicht wirklich, begeht zudem den gleichen Fehler wie der Atheist, indem er nur an wissenschaftlich Bewiesenes glaubt und stellt sich nicht wirklich als überaus intelligent, sondern bestenfalls vielmehr als unentschlossen oder meinungslos hinischtlich der eigentlichen Frage des Problems dar.

Während also der Atheist offen gegen ein geistiges oder spirituelles Prinzip stimmt, enthält sich der Agnostiker mehr oder weniger bei dieser Frage.

Unter Theismus versteht man, gleich ob Mono-, Poly- oder Pantheismus den Glauben an ein höheres geistiges Prinzip. Ob man es nun Gott, Götter oder Natur bzw. Kosmos nennt oder gänzlich unbenannt lässt sei hier dahin gestellt. Wenn man in diese Gruppe auch die Menschen mit einbezieht, die sich nicht als religiös im abendländischen Sinne, sondern eher spirituell bezeichnen, wie bspw. Esoteriker oder Theosophen, dann macht dieser Teil der Menscheit je nach Umfage (s.o.) rund 90 % der Menschheit aus.

Sicher ist Masse allein noch nicht viel Wert, aber es ist schon sehr erstaunlich, dass seit Menschengedenken zu jeder Zeit ein tiefverwurzelter Glaube an eine geistiges Prinzip, ein Leben nach dem Tod im Menschen zu finden ist und das vom einfachsten Naturmenschen bis hin zum höchsten Intellektuellen - für die Einen nur Überreste archaischer Dummheit, für andere eine geistige und unzerstörbare innere Gewissheit höchst spiritueller Natur. Und fast noch erstaunlicher ist es, dass auch der grobe Materialismus der letzten 100 Jahre, in dem Gottlosigkeit und Sittenverfall offensichtlich als Fortschritt gilt, es nicht schafft, an diesen gerundeten 90% Gläubiger auch nur zu rütteln.

Fakt ist zwar, dass ein zweifelsfreier "Gottesbeweis" im wissenschaftlichen Sinne noch nicht erbracht wurde, aber Fakt ist auch, dass niemand die Möglichkeit eines solchen Beweises für alle Zukunft a priori ausschließen kann, sofern er vernünftig bleiben möchte.

Und man kann es nicht oft genug sagen: Ein geistiges Prinzip als Urgrund aller Dinge anzunehmen ist geradezu notwendig, wenn man vernünftig und logisch bleiben möchte bzw. die wirklichen Ursachen des Seins ergründen will. Laut Wissenschaft entstand das Leben oder das Belebte aus dem Unbelebten, aber wo kann man dass denn bitte in der Natur beobachten? Leben aus Tod? Das ist höchst unlogisch und damit schlicht unmöglich.

Man setzt wissenschaftlich die Masse der Urknall-Singularität genauso unerklärt voraus, wie die grundlegenden natürlichen Kräfte und Gesetze, wie die DNA und andere äußerst wichtige Dinge, vor allem natürlich die grundlegenden Ursachen des Seins. Man setzt diese völlig unbekümmert unerklärt voraus und tut dann so, als könne man alles einwandfrei materialistisch erklären. Warum man es heute leider so hält ist klar. Eine Erklärung dieser grundlegenden Prinzipien führt immer direkt zur Metaphysik und dazu fühlt sich die Wissenschaft heute nicht mehr bzw. noch nicht wieder fähig, denn es würde bedeuten, etwas anzuerkennen, was nicht mess- oder objektiv beweisbar ist. Und damit würde der Materialismus in seinen Grundfesten nicht nur erschüttert, sondern als "herrschende" Meinung wieder abgebrochen werden.

Heute hält sich der Wissenschaftsgläubige oft für überaus vernünftig und den Gläubigen für irrational, aber wer sich ein wenig näher mit aktueller Wissenschaftskritik auseinandersetzt stellt schnell fest, dass sich das Gegenteil nicht nur behaupten, sondern auch beweisen lässt.

Ergo: Quantitativ ohnehin, aber auch qualitativ liegt der Theismus klar vorne. Lässt man den Agnostiker aufgrund seiner Meinungslosigkeit außen vor, so zeigt sich der Glaube des Atheisten als niemals beweisbar, aber dafür zeigen sich sehr viele Indizien und Hinweise auf die Existenz eines geistigen Prinzips bzw. einer geistigen Welt, man denke nur neben der logisch zwingenden Notwendigkeit einer solchen Existenz bspw. an die wissenschaftlichen Untersuchungen zum Thema Nahtoderfahrungen von Dr. Long, der in einer weltweiten wissenschaftlichen Studie klar und deutlich aufzeigt, dass solche Erfahrugen weder irgendeiner körperlicher Natur sind, noch Halluzinationen - sie also demnach metaphysisch sein müssen.

Allzugerne verweist man wissenschaftlich unerklärliche Phänomene bequemerweise direkt in das Reich der Fantasie, wie bspw. heute immernoch die Wirksamkeit der Homöopathie oder übersinnliche Wahrnehmungen bzw. Fähigkeiten bei Menschen, die sie auch die letzten Zweifeln ausräumen lassen, dass es ganz sicher mehr zwischen Himmel und Erde gibt, als die Wissenschaft beweisen ja sogar, als der irdische Mensch sich überhaupt nur vorzustellen vermag. Und das zu glauben ist zweiflesfrei nicht unvernünftig, schon allein in anbetracht der Entwicklung der Wissenschaft in den letzten 250 Jahren.

Vernünftig ist der, der seinem Herz vertraut. Sich aber aufgrund seines Glaubens oder Nicht-Glaubens für etwas Besseres oder Schlechteres als den jeweils Andersgläubigen zu halten, ist zweifelsfrei genauso unvernünftig, wie die Existenz bzw. Existenzmöglichkeit des in diesem Zusammenhang oft beschworenen "rosa Einhorns" zu 100% auzzuschließen.

Ich glaube an den rheinischen Gottesbeweis: Der lautet: Von nix kütt nix. (Dieter Nuhr)

Und Recht hat er. Man muss sich nur vor Augen halten, dass die rein mathematische und niemals exakt wissenschaftlich beweisbare Urknalltheorie, die ursprünglich vom Theologen Georges Lemaître stammt, eine genauso unmögliche "ex-nihilo" Schöpfung, d. h. eine Schöpfung aus dem Nichts annimmt, wie auch die Kirche, denn wo ist den die Masse der Singularität hergekommen?

In diesem Sinne, mag jeder glauben was er für richtig hält, schön wärs jedoch, wenn dabei auch alle vernünftig blieben.

Verschlagwortung: 

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